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08:08 Sonntag 6. Juli 2008

Fiestas in Spanien

Diesen Monat werden über das ganze Land verteilt in Spanien vier Fiestas gefeiert, die von besonderem Nationalen Tourismusinteresse sind: die erste in Yecla, eine weitere in Torrejoncillo bei Cáceres, eine dritte in Las Palmas de Canarias und die letzte in Alava.

In Yecla feiert man jedes Jahr vom 5. – 8. Dezember die Kirchenweihfeier zu Ehren der Virgen del Castillo. Ihren Ursprung hat die Feier in der wundersamen Verschonung der Söhne der Stadt vor Tod und Verwundung, welche 1642 eingezogen worden waren und im Krieg gegen Katalonien eingesetzt werden sollten. Dazu kam es aber nicht, sondern nach einem müßigen halben Jahr in einer Kaserne wurden sie allesamt unversehrt nach Hause entlassen. Sie dankten spontan der Jungfrau de la Encarnación, deren Bildnis sich damals in der Burgkapelle befand, für ihr unglaubliches Glück. Sie wurde 1954 von Papst Pius XII. gekrönt. Als Jungfrau vom Schloss wird sie in Yecla verehrt. Am 5. Dezember erteilt der Bürgermeister seinen Untertanen feierlich die Erlaubnis sie zu feiern.
Nach Mittag rufen Trommler und Pfeifer die Bevölkerung zum Mitmachen auf. Am 6. wird früh morgens eine Messe zelebriert, und am Nachmittag küssen die hier stationierten Soldaten in Erinnerung an 1642 die spanische Flagge. Die feierliche Prozession der Jungfrau vom Schloss findet am Tag danach unter ständigem Geböller der alten Arcamuces statt. Nachmittags bringen die verschiedenen Bruderschaften der Verehrten Blumen. Der 8. Dezember ist der wichtigste Feiertag in Yecla. Die Clavarios werden ernannt, und die Soldaten prozessieren mit dem Heiligenbild. Ein Mayordomo wiederholt bei höllischem Lärm das Flaggenritual in Gegenwart der Encarnación bei ihrem Verlassen und Betreten der Basilika, da jetzt alle verfügbaren Gewehre ihre lautstarken Salven gleichzeitig abfeuern.

In Torrejoncillo (Cáceres) wird am 7. und 8. Dezember La Encamisá gefeiert. Dabei spielen Pferde und weiße Bettlaken (camisas, Hemden) eine große Rolle. Woher der Brauch stammt? Vor Jahrhunderten benutzen die Dörfler weiße Bettlaken als Tarnung, wenn sie eine schwierige Phase hatten, das mag der Ursprung sein. Man erzählt sich aber auch, dass dies zum Zeichen der Dankbarkeit der Virgen de la Inmaculada Concepción gegenüber geschieht, die das Dorf vor langer Zeit vor einer Schlacht bewahrt hat. Die Behemdeten kommen in ihren fein gestickten Laken zu Pferde zur Prozession. Sie tragen brennende Fackeln, die ihnen der Mayordomo zuvor überreicht hat, und folgen einer Standarte mit dem Bildnis der Heiligen. Die kalte Nacht wird angeheizt durch Böllerschüsse, Feuerstätten und gefühlsbetonte Frömmigkeit im Kreise von Nachbarn und Besuchern. Am Morgen des Inmaculada-Feiertages legen Frauen und Paare im Trachtenkleid in der Kirche Berge von Blumen zu Füßen der Heiligen Jungfrau.

In Las Palmas de Gran Canaria  steigt eine große Feier, die von nationalem Tourismusinteresse ist, vom 6. bis 13. Dezember zu Ehren der Heiligen Santa Lucía. Auch hier verbinden sich religiöse Gründe mit einem Volksfest. Das Dorf Santa Lucía de Tirajana liegt 50 km von der Hauptstadt Las Palmas in einem Tal, das vom Zentralgebirge abfällt. Früher gab es hier nur Landwirtschaft. Jetzt kommen auch Touristen hierher. Da ähnlich wie in Schweden der 13. Dezember mit einer Santa-Lucia-Prozession gefeiert wird, sind besonders viele Besucher aus dem Norden dabei.

In Labastida (Alava), im Norden Spaniens, feiert man am Heiligen Abend die Misa del Gallo auf ganz besonders Aufsehen erregende Weise. Labastida, ein kleiner Ort am Südhang der Toloño-Sierra in Alava, wird vom Ebro geprägt und lebte eine zeitlang vom Wein der Rioja. Er hatte seine kurze Glanzzeit im 17. Jahrhundert, von wann sein schönes Barock-Rathaus stammt. In der Vergangenheit hat er sich politisch wiederholt ins Abseits manövriert, und als das große Sterben der Reben mit der Phylloxera auch Spanien überkam, begann seine Zeit der Lethargie. Statt Wein baute man Korn an. Erst in den Jahren nach dem letzten Krieg bekam man durch dem Tourismus und den Weinboom wieder neue Impulse. Auf den Hängen stehen wieder Rebstöcke, und es kam wie gerufen, dass man den uralten Brauch der mitternächtlichen Hahnenmesse zu einem Ereignis von nationalem Tourismusinteresse erklärte.
Man feiert diese Nacht, in der der Überlieferung nach der Hahn die frohe Botschaft der Geburt Christi als Erster verkündete. Er krähte um Mitternacht einmal, um drei Uhr zweimal und um 6 Uhr morgens dreimal. Mit Fellen gekleidete Schäfer, der Großvater mit einem Lamm über der Schulter und die Jungfrau mit dem Christkind gehören zu einer Gruppe, die von einem sonderbaren Typen angeführt wird, dem Cachimorro. Gemeinsam singen sie alte Lieder und führen dazu überlieferte Tänze und Bocksprünge vor, wie sie seit Urzeiten hier bekannt sind. Der Cachimorro trägt die Kleidung eines mittelalterlichen Hofnarren. Am Ende seines Stabes baumelt ein mit Stroh ausgestopftes Kaninchenfell im Takt der Gruppe. Seine Bedeutung wurde im Verlauf der Zeit vergessen. 

 

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