das aktuelle spanienmagazin für die Costa del Sol und Costa de la Luz, Spanien
Startseite
Kontaktieren Sie unsFavoriten hinzufügen

Deutsche Botschaft und Konsulate in Spanien


19:29 Freitag 25. Juli 2008

Ausblick 2008:

Das verflixte 7. Jahr

  • 2008 tritt der Aufschwung der Welt in sein siebtes Jahr. Noch nie zuvor hat eine Erholung so lange gedauert. Das ist erfreulich, aber auch mit Risiken verbunden.
  • Europa und die Schwellenländer werden sich trotz mancher Unkenrufe von der Schwäche der US-Wirtschaft emanzipieren können.
  • Die Finanzmärkte bleiben in unruhigem Fahrwasser, werden im Grundton aber nicht unfreundlich sein.

Das Jahr 2008 wird nicht einfach werden. Der so erfreuliche Aufschwung sowohl in der Wirtschaft als auch auf den Finanzmärkten kommt dann in sein siebtes Jahr. Das ist erfahrungsgemäß eine kritische Zeit. Hält die bisherige Entwicklung noch ein Jahr? Hält sie vielleicht sogar noch länger, weil sich die Welt strukturell so verändert hat, dass die alten konjunkturellen Muster nicht mehr gelten? Oder gehen die schönen Jahre nun zu Ende und wir müssen uns wieder auf härtere Zeiten einstellen? Schauen wir uns die einzelnen Aggregate darauf hin etwas näher an.

Beim Wachstum sieht die Sache für die Weltwirtschaft insgesamt gut aus. Nach allem, was bisher erkennbar ist, wird sich die Expansion fortsetzen. Die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts wird zwar nicht mehr so hoch sein wie 2007 (5,2%). Mit 4 bis 5% wird sie aber immer noch größer ausfallen als der langfristige Durchschnitt der letzten 60 Jahre. Das ist ein gutes fundamentales Polster für die Entwicklung im Jahr 2008.

Getrieben wird der Aufschwung aber nicht mehr von den USA. Amerika steht vor einer Schwächeperiode. Seine Wirtschaft wird in den ersten beiden Quartalen bestenfalls an einer Rezession vorbeischrammen. Erst im zweiten Halbjahr wird sich das Bild aufhellen. Ausschlaggebend für die langsame Besserung sind dann niedrigere Zinsen, stärkere fiskalpolitische Impulse und vielleicht auch ein weiter steigendes Exportgeschäft. Zudem müsste dann auch der Absturz im Häusermarkt allmählich zu Ende kommen.
Als Lokomotive ist 2008 der Rest der Welt gefragt. Das ist neu. Kann das Wachstum in der Welt auch ohne die Impulse aus den USA weitergehen? Inzwischen gibt es eine Reihe von prominenten Volkswirten (etwa von der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs), die nicht mehr daran glauben. Ich teile die Skepsis nicht. Europa steht heute durch die gemeinsame Währung, den vergrößerten Binnenmarkt und die Reformen in den Unternehmen viel mehr auf eigenen Füßen als früher. Sein Wachstum wird zwar etwas geringer werden, aber bei weitem nicht so stark zurückgehen wie in den Vereinigten Staaten. Auch die Schwellenländer in Asien und Lateinamerika haben heute einen besseren Binnenmarkt und sind nicht mehr so „amerikalastig“. Einzig in Japan gibt es ein paar Fragezeichen.
Die Inflation wird 2008, wie in der Endphase eines Aufschwungs mit hoher Kapazitätsauslastung nicht anders zu erwarten, weltweit ein Problem sein. In Europa wird sie zwar nicht immer über 3% bleiben, aber sie wird auch nicht auf das Ziel von „nahe aber unter 2%“ zurückkommen. Dies umso mehr, als der EZB – wie anderen Zentralbanken auch – beim frühzeitigen Kampf gegen die Preissteigerung durch konjunkturelle Unsicherheiten und die internationale Finanzkrise die Hände gebunden sind. Die Schwellenländer, vor allem China, stehen hier besser da. Sie werden die Überhitzung stärker bekämpfen, was aber auch Risiken birgt.

Rohstoffe werden angesichts des anhaltenden Wirtschaftswachstums nochmals teurer werden. Freilich gab es hier in diesem Jahr auf einigen Märkten – zum Beispiel beim wichtigen Öl – Übertreibungen, die erst einmal korrigiert werden müssen. Insofern wird die Aufwärtsentwicklung 2008 keine Einbahnstraße sein und sich auch nicht „querbeet“ vollziehen.
Die Leistungsbilanzungleichgewichte der Welt bleiben bestehen. Bestenfalls werden sie im Ausmaß etwas geringer. Das bedeutet, dass die Kapitalströme auch 2008 in die „falsche“ Richtung gehen (nämlich aus den ärmeren in die reicheren Länder und nicht umgekehrt, wie das eigentlich vernünftig wäre). Das ist nicht gesund. Freilich kann es sich aber auch positiv auswirken, etwa wenn Staatsfonds aus den Schwellenländern in westliche Unternehmen investieren.

Was heißt das alles für die Finanzmärkte? Das Positive ist, dass sie 2008 die Krise bereits hinter sich haben. Manche Übertreibungen an den Märkten wurden schon 2007 korrigiert. Der Finanzsektor wird gestärkt, selbstbewusst und vielleicht mit ein paar Konsolidierungsideen aus der Krise hervorgehen. Das fundamentale Umfeld ist nach wie vor gut. Freilich gibt es ein paar mehr Fragezeichen als sonst. Wir haben jetzt schon sehr viele gute Jahre hinter uns. Das wird sich nicht einfach so fortsetzen. Das Schlüsselwort heißt daher Diversifizierung. Langfristig orientierte Investoren sollten die gesamte Breite der Anlagemöglichkeiten nutzen, um sich gegen Risiken abzuschirmen. Auch Gold wird als Schutz gegen Unsicherheiten interessant bleiben. Zudem sollten sie die Erwartungen an Kursgewinne nicht zu hoch schrauben. Renditen von mehr als 6 bis 7% sind volkswirtschaftlich nicht gerechtfertigt.
Die Aktienmärkte werden ein paar turbulente Monate durchlaufen, solange nicht wirklich klar ist, wie weit und wie sehr die amerikanische Konjunkturabschwächung den Rest der Welt „infiziert“. Angesichts der nach wie vor guten Gewinnentwicklung eines großen Teils der Volkswirtschaft dürfte es jedoch nicht zu einem stärkeren Kursrückgang kommen. Für das Gesamtjahr rechne ich im Durchschnitt mit einer Aufwärtsentwicklung. Vorsicht ist freilich bei überbewerteten Schwellenländern geboten. Hier droht immer das Risiko eines Rückschlags.

Auf den Kreditmärkten wird die Subprime-Krise noch bis zum ersten, schlimmstenfalls auch zweiten Quartal anhalten. Dann sollte der „Spuk“ jedoch zum Ende kommen, und die Märkte werden sich wohl dem Thema „Inflation“ zuwenden. Die Renditen – vor allem in Europa, weniger in den USA – werden steigen. Vermutlich haben sich bis dahin auch die Spreads von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen erhöht, so dass dann auch diese Anlageformen wieder interessanter sind.
Die Devisenmärkte bleiben unruhig. Angesichts der Leistungsbilanzsalden gibt es zwar nach wie vor Gründe für eine weitere Dollarabwertung. Diese werden das Geschehen an den Märkten sicher auch noch eine Weile bestimmen. Ich vermute jedoch, dass sich das Blatt spätestens in der zweiten Hälfte 2008, wenn die US-Wirtschaft das konjunkturelle Tal durchschritten hat, wenden wird und wäre nicht überrascht, wenn der EUR/USD-Kurs in einem Jahr niedriger als heute sein würde (knapp 1,50). Gegenüber dem japanischen Yen und dem chinesischen Renminbi wird sich der US-Dollar weiter abwerten. Der Schweizer Franken müsste im Zuge eines risikobewussteren Verhaltens an den Finanzmärkten (vor allem weniger Carry-Trades) gegenüber dem Euro wieder vernünftigere Niveaus erreichen können (CHF 1,55 – 1,60 je EUR). Freilich sind Währungsprognosen auch 2008 – mein ceterum censeo – das Riskanteste, was es in der Ökonomie gibt.

Aquila, Roth & Partner AG - Dr. Martin Hüfner und Rudolf Roth

Kontakt:
www.aquila-arp.ch - rudolf.roth@aquila-arp.ch

Download Artikel in PDF



Adobe Reader für PDF hier gratis downloaden


das aktuelle spanienmagazin · +34 952 547 020
Urb. El Tomillar · Avda. del Sol, 6 · 29740 Torre del Mar