Der Dreikönigsfestzug in Sevilla
Jedes Jahr gehörte der 5. Januar in Sevilla den Kindern: Es ist der Tag, an dem die Heiligen Drei Könige einziehen. Seinen Sinn hat er durch den ihm folgenden nationalen Feiertag, den 6. Januar, dem Epiphaniastag, der gemäß der christlichen Lehre der Erscheinung des Herrn gewidmet wurde und damit das eigentliche Weihnachtsfestdatum darstellt.
Am Vortage dieses hohen Feiertages besuchen die drei Weisen aus dem Morgenland die Kinder in ganz Spanien und prozessieren mit geschmückten Karossen durch Städte und Dörfer. In der Nacht bringen sie ihnen, wenn sie denn brav waren, das, was sie sich in ihren Briefen an die Majestäten Melchior, Caspar und Balthasar gewünscht hatten. Nicht am Heiligen Abend, sondern in der Frühe des 6. Januar findet deshalb in traditionellen spanischen Familien die Bescherung statt. Für die einen wie die anderen ist jedoch das wichtigste weihnachtliche Kinderfest der Vorabend des 6. Januar, der mit ausgelassenen Umzügen gefeiert wird, besonders spektakulär eben in Sevilla.
Angefangen hatte es in Sevilla so: Die Mitglieder vom Atheneum hatte zu Beginn vorigen Jahrhunderts die gute Idee, den Waisen Sevillas eine Freude zu machen und sie am Vorabend des Dreikönigstages großzügig zu beschenken. Sie sammelten Süßigkeiten und Spielzeug und stellten einen Festzug mit Wagen voller Überraschungen zusammen. Er wurde von den drei Königen aus dem Morgenlande persönlich angeführt. Als der Zug nach einer Prozession durch die Straßen der Stadt im Patio des Waisenhauses eintraf, wurde er von 400 artig in Reih und Glied stehenden Kindern erwartet. Der Jubel war unbeschreiblich. Am Tag danach wurde der Erfolg gefeiert und vorgeschlagen, ab jetzt die Stadt Sevilla mit einzubinden und eine öffentliche Spendenaktion ins Leben zu rufen. Heute werden die Kranken und Bedürftigen der ganzen Stadt von den drei Weisen besucht. Das Atheneum von Sevilla aber hat einen festen Platz im Herzen der Bürger, auch wenn es heute die Cabalgatas nicht mehr organisiert.
Das ganze Jahr wird an den Vorbereitungen für die Cabalgata gearbeitet, in der Presse wird pünktlich berichtet, wie es um die Vorbereitungen steht, wer diesmal König wird, wer die Karosse mit dem Morgenstern leitet, wer der öffentliche Ausrufer sein wird, wer den Ankündigungsposter malt, usw. Der Festzug durchläuft die halbe Stadt, allen voran die erste Karosse, die mit dem Stern. Ihm folgt die Prachtkutsche mit den freundlich winkenden Königen und über zwanzig weitere geschmückte Wagen voller ausgelassener Kinder. Sie verteilen pausenlos Bonbons an die Menge am Wegesrand, begleitet von Musik und Unterhaltung für die Kleinen. Für den echten Sevillaner ist die Cabalgata so wichtig wie die Semana Santa oder die Feria de Abril.
Fiesta de San Antonio Abad
in Igualada, Katalonien (15.-17. Januar) und La Puebla, Mallorca (17. Januar )
In Igualada auch “Els Tres Tombs“ genannt, „die drei Runden“, erinnert dieser Feiertag an den Einsiedler Antonio aus dem IV. Jahrhundert, der sein Leben in der Wüste von Ägypten verbrachte. Er ist besonders in Katalonien sehr beliebt und wurde unter anderem zum himmlischen Beschützer aller Tiere, besonders aber derer, die bei der Feldarbeit und beim Transport halfen. Fest steht, dass er einmal ein Ferkel in Ordnung brachte, das dreibeinig geboren worden war, indem er ihm auf wundersame Weise ein viertes Bein wachsen ließ. Aber die Güte des Heiligen half nicht nur Tieren, die Chroniken Kataloniens verzeichnen auch, dass durch ihn zum Beispiel auch eine Dame aus Barcelona geheilt wurde, die eine „schreckliche Krankheit“ hatte.
Der Heilige Antonio Abad wird vielerorts gefeiert, überall anders. In Igualada ist die Tradition tausendjährig. Am 17. Januar zieht ein stattlicher Festzug mit Zugtieren durch die Stadt, um vom Heiligen gesegnet zu werden. Die Gläubigen müssen mit ihren Tieren vorher jedoch dreimal um die Kirche gezogen sein, daher Els Tres Tombs. Nach der Zeremonie werden Brötchen und die traditionelle Tortell de Sant Antoni verteilt, ein gerolltes Brot aus Brioche mit Marzipan und einer Überraschung darin.
Von nationalem Interesse sind auch die Feiern von San Antonio Abad am 17. Januar in La Puebla. Wie überall, hat sich auch hier die Tradition im Laufe der Zeit geändert. In den Siebziger Jahren verlor sie endgültig ihren eigentlichen Sinn, weil die Nutztiere nach und nach durch Maschinen ersetzt worden waren, und der Lasttiere ebenfalls. So ist der Heilige heute nicht mehr ausschließlich der Nutztierbeschützer, sondern auch zuständig für alle anderen Haustiere. Wo man früher nur Esel, Pferde, Mulis, Ochsen, Kühe, Schweine, Schafe und Hühner sah, gibt es heute Hunde und Katzen. Die eigentliche Fiesta wird am Vorabend gefeiert. Es gibt einen Kampf zwischen Gut (der Einsiedler Antonio Abad) und dem Bösen (der Teufel). Es scheint, dass der Ursprung der Fiesta in der Zeit der ersten Siedler der Insel zu suchen ist und mit heidnischen Riten zum Jahreswechsel zu tun hat. Die katholische Kirche christianisierte sie und ordnete ihr den heiligen Sant Antoni zu.
Die Tamborrada
San Sebastian, Baskenland (19.-20. Januar)
Der Heilige Sebastian ist der Schutzpatron der Hauptstadt von Guipuzcoa. Sein Gedenktag ist der 20. Januar. Die Tradition der allmächtige Trommelwirbelei ihm zu Ehren, die Mutter aller Trommelwirbel gewissermaßen, stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von der damals starken Militärpräsenz inspiriert. Sie ist gleichzeitig der Auftakt zum Karneval. Die Stimmung ist am 19. Januar bereits recht ausgelassen und steigert sich erwartungsvoll ihrem 1. Höhepunkt entgegen, wenn nämlich um Mitternacht die ganze Stadt auf dem Plaza de la Constitución ehrerbietig dem Hissen der Flagge von San Sebastian beiwohnt. Die städtischen Bruderschaften spielen den Marcha de San Sebastian und andere traditionelle Stücke von Raimundo Sarriegi.
Am nächsten Tag marschieren etwa einhundert dieser Vereine mit je von 20 bis 50 Trommeln durch die Stadt und bearbeiten ihre Instrumente gleichzeitig. Sie repräsentieren die berühmten gastronomischen Vereine der Stadt und kämpfen einen harten Konkurrenzkampf an allen Fronten, auch an dieser. Das Trommeln wird stets von einer Musikkapelle begleitet, so dass die Bezeichnung „Musikparade“ für die Tamborrada einen Sinn hat. Daran beteiligen sich an ihren Instrumenten und Uniformen unterscheidbare zwei Gruppen: die Tamborreros (die Trommler) und die Köche/Wasserträger. Die ersten tragen eine Uniform wie aus Napoleons Zeiten und trommeln aus Leibeskräften, Tag und Nacht, und die anderen sind ebenfalls fantasievoll uniformiert und traktieren mit gebührendem Werkzeug und Enthusiasmus ihre Fässer oder Tonnen. Auch Gastadores, Abanderados und Cantineras (Wegvorbereiter, Würdenträger und Schankfrauen) machen im Zug mit, deren Funktion sich unserer Kenntnis entzieht.
Die Kinder der wohl schönsten Stadt Spaniens haben am Morgen dieses Tages ihre eigene Tamborrada, denn was ein richtiger Trommler werden will... Sie ziehen geräuschvoll durch die Innenstadt und wählen aus ihren Reihen die Kinderkönigin und ihre Ehrenjungfern. Die Fiesta der Großen geht bis in die Nacht zum 21. Wieder versammelt sich die ganze Stadt am Ausgangspunkt, der Plaza de la Constitución, wo die Tamborrada von der ältesten Bruderschaft verabschiedet wird. Alle Kompositionen von Maestro Raimundo Sarriegi (1840-1913) werden noch einmal getrommelt, um mit dem Marcha de San Sebastian um 24 Uhr zu enden. Der Bürgermeister holt die städtische Flagge wieder ein, und der echte Baske ist dem Himmel ein Stück näher - so empfindet es jedenfalls der Träger der diesjährigen Goldenen Trommel.