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08:01 Sonntag 6. Juli 2008

Schatzkammer für Kork

Die Bäume sehen aus wie abgenagte Knochen, das Holz schimmert leicht rötlich, an den Stämmen und Ästen noch einzelne Fetzen von Rinde, der Rest liegt am Boden. „Corcheros“, Korkarbeiter, schälen sorgfältig die Rinde der mächtigen Eichen in den Wäldern von Los Alcornocales in Andalusien – aus der  später Korken, Fußböden oder sogar Dämmmaterial werden. 

Von Simone Sälzer
 

Meist arbeiten „corcheros“ zu zweit, vor allem im Juni, Juli und August. In den Sommermonaten, wenn der Baum feucht ist, kann die Rinde am leichtesten entfernt werden. Die Gewinnung des Korks erfordert viel Geduld und handwerkliches Geschick. Erst wenn der Baum mehr als ein Vierteljahrhundert alt ist, können ihn die Arbeiter schälen. Dieser so genannte Jungfern-Kork der ersten Schälung weist aber noch eine zu grobe Struktur auf und eignet sich nicht für die Produktion von Flaschenkorken. Erst die zweite Schälung besitzt die gewünschte feinere Struktur. „La pela“, das Schälen der Rinde, ist allerdings nur alle neun oder zehn Jahre möglich. So lange dauert es, bis sich der Baum erholt und der Kork sich in der notwendigen Stärke neu gebildet hat. Um aus der Rinde die optimalen Korken herstellen zu können, müssen die Bäume allerdings schon den Vierziger überschritten haben. Eine Korkeiche wird zwischen 170 und 200 Jahre alt, so dass sie etwa 15 Mal Kork liefern kann. Rund 150 Kilo ernten die Arbeiter pro Hektar Baumbestand.    

„Corcheros“ schälen die Korkeiche – diese aufwändige Handarbeit wird ausschließlich von gut ausgebildeten und erfahrenen Arbeitern ausgeführt. Denn jeder zu tiefe Schnitt kann das Wachstumsgewebe des Baumes schädigen. Schlagen die Arbeiter zu tief in die Rinde, besteht die Gefahr, dass der Baum austrocknet und abstirbt. Daher verdient diese Arbeit größte Sorgfalt und Aufmerksamkeit. „Recogedores“ sammeln „las panas“, die Korkhaufen, ein und machen sie für den Transport fertig. Mit Maultieren schleppen die Fuhrmänner den Kork durch die Berge bis zu den Wiegestellen, wo die Korkhaufen geordnet und gewogen werden.
Von da an beginnen die verschiedenen Bearbeitungsphasen des Korks: Er wird nach Dicke und Qualität sortiert. Die Korkrinden werden vor der eigentlichen Bearbeitung gekocht, um Mineralsalze und Gerb- stoffe herauszulösen. Die Korkzellen weiten sich aus, der Kork wird elastischer und kann so am besten weiterverarbeitet werden: vor allem zu Flaschenkorken, aber auch zu Fußböden, Sohlen, Tapeten oder Innendekorationen und Wärmedämmung. Minderwertige Korkstücke, Korkreste und Korkabfälle werden zermahlen, verklebt und meist zu Platten gepresst. Kork zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er wasser- und gasdicht, elastisch, widerstandsfähig und vor allem haltbar ist. Beispielsweise gibt es bei einem Kapuzinerkloster in Portugal 400 Jahre alte Korkplatten, die in Felsen eingehauen wurden, um gegen Feuchtigkeit abzudichten – und heutzutage noch hervorragend erhalten sind.  

Charakteristisch – die Flaschenkorken: Als der beste Kork gilt der, der sehr homogen und beständig ist, das heißt wenig porös, kaum holzartige Einlagerungen oder Flecken und eine feine Faserung hat. Für Weinkorken wird vor allem hochwertiger, niedrigporöser Kork ohne Risse benötigt. Die Poren sollten nicht zu groß, die Bretter nicht zu dick sein, damit der optimale Korken entstehen kann, der sich bestens an die genormten Flaschenhälse anpasst und den Wein optimal reifen lässt.    
 In den Fabriken wird der Kork zum zweiten Mal aufgekocht, zum Reifen und Stabilisieren in klimatisierte Kammern gebracht. Dann wird er in Streifen geschnitten, aus diesen die Korken ausgestanzt. Die defekten sortieren die Arbeiter per Hand aus. Um eine präzise Größe zu erreichen, werden die Korken poliert und geschliffen, für eine einheitliche und klare Farbe mit speziellen Mitteln gewaschen und gebleicht. Zu guter letzt werden sie gekennzeichnet, geschmeidig gemacht, per Hand aussortiert, gezählt und verpackt. Kork ist unverzichtbar für die traditionelle Weinkultur.

Geschichte des Korks
Spanien steht nach Portugal bei der Korkproduktion weltweit an zweiter Stelle, auf 725 000 Hektar stehen die Korkeichen, vor allem in Andalusien, Katalanien und Extremadura. Der Naturpark „Los Alconorcales“, zwischen Malaga und Tarifa gelegen, liefert im Jahr durchschnittlich die Hälfte des Korks für Andalusien. Der Baum ist charakteristisch für den gesamten Mittelmeerraum. Er hat tiefe Wurzeln, um das Wasser besser aus tieferen Bodenschichten holen zu können, und Blätter, die durch ihre harte Oberfläche einen größeren Wasserverlust verhindern können. Der Korkstamm dient als Schutz gegen Feuer, was in den Mittelmeergebieten insbesondere im Sommer ein großer Vorteil ist. 600 Firmen sind angesiedelt, die 3000 Arbeitsplätze schaffen. Allerdings verdrängen immer mehr künstliche Korken die natürlichen. 2005 beispielsweise waren es 4,5 Millionen Plastikkorken bei 22 Millionen Flaschen Wein.
Es drückten zwar schon die alten Griechen Korkpfropfen in die Öffnungen von Tonkrügen, allerdings wurden bis ins 17. Jahrhundert vor allem in Öl getauchte und mit Hanf umwickelte Holzstopfen genutzt. Die ersten Korken verwendete Pierre Perignon 1680 für seine Champagnerflaschen, da die Stopfen nach längerem Transport aus den Weinflaschen sprangen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts galt Kork als der gefragte Flaschenverschluss.

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