Juan Carlos beliebter als alle spanischen PolitikerSpaniens König Juan Carlos I. ist bei der Bevölkerung seines Landes weitaus beliebter als alle Politiker. Dies geht aus einer Umfrage hervor, deren Ergebnisse die Zeitung «El Mundo» zu dem Anlass des Geburtstags des Monarchen veröffentlichte. Juan Carlos, der am 5. Januar 70 Jahre alt wurde, kommt danach auf einer Beliebtheitsskala von 0 bis 10 auf einen Wert von 7,89.
Für König Juan Carlos war 2007 ein schwieriges Jahr. Doch die Spanier empfinden Respekt für ihren König, der sich einst schützend vor ihre junge Demokratie stellte. Vor neun oder zehn Jahren noch hat er laut darüber nachgedacht, dass dieser Samstag seines siebzigsten Geburtstages eigentlich ein guter Tag sein könnte um abzudanken. So jedenfalls soll es Juan Carlos I. seinerzeit einem Freund anvertraut haben. Die Zeitung El País wusste dieser Tage davon zu berichten. Es gibt eine Fülle von Daten, die verleihen dieser nicht zu erhärtenden Nachricht die Aura der Plausibilität: Anfang Januar feierte Juan Carlos seinen 70. Geburtstag, er ist seit mehr als 32 Jahren König; Ende 2008 wird Spanien den 30. Jahrestag seiner geltenden Verfassung begehen. Und der Erbe des Regenten, Kronprinz Felipe, wurde am 30. Januar ja nun auch schon 40.
Niemand weiß, wann Juan Carlos sich anders entschieden haben könnte. 2005 vielleicht? Als er seinen Untertanen zum 30. Jahrestag der Krönung in gewohnt hemdsärmeliger Manier mitteilte, er werde sie “noch lange auf Trab halten”? Spätestens 2007 muss er den Gedanken an Rückzug verworfen haben. Es war ein Jahr voller Ärger. Unmöglich, nach einem solchen Jahr zu gehen, zumal das gerade beginnende Jahr auch noch ein Wahljahr ist.
Dass katalanische Separatisten symbolisch Königsbilder verbrannten, war das geringste Problem. Und auch der abgeschmetterte Parlamentsantrag der katalanischen Republikaner, dem König den Oberbefehl über die Streitkräfte zu entziehen, blieb eine Anekdote.
Weit größere Schlagzeilen machte, dass eine Satire-Zeitschrift beschlagnahmt wurde, weil sie das Kronprinzen-Paar beim Geschlechtsakt karikiert hatte. Auch privat war 2007 ein Jahr der Sorgen: Die Schwester von Schwiegertochter Letizia beging Selbstmord. Elena, die älteste von drei Königskindern, trennte sich vom Gatten. Es gibt Beobachter, die in dieser Melange aus Verlust der Unantastbarkeit und familiärer Anspannung den Grund sehen, warum Juan Carlos beim Iberoamerika-Gipfel von Santiago de Chile die Nerven verlor und Venezuelas Präsidenten Hugo Chávez mit seinem berühmten “¿Por qué no te callas?” anherrschte: “Warum bis du nicht still?”
Im gleichen Maße, wie diese Entgleisung der spanischen Diplomatie Kopfzerbrechen bereitete, hat sie Juan Carlos in Spanien Sympathien eingebracht. Er selbst weiß das nur zu gut. Für die traditionelle TV-Weihnachtsansprache ließ er ein Erinnerungsfoto vom Gipfel in Santiago hinter seinem Rücken platzieren.
Auch wegen solcher Gesten sind die Spanier mehrheitlich wenn schon nicht Monarchisten, so doch immerhin Juancarlisten. Und das ist schon deshalb eine Leistung, weil die Spanier zwischen 1808 und 1931 insgesamt sieben Regenten die Krone vom Kopf schlugen. Das gipfelte in einem brutalen Bürgerkrieg und jahrzehntelanger Diktatur.
Juan Carlos selbst wurde im Exil geboren, in Rom. Er wuchs in einem starken Spannungsfeld zwischen seinem Vater und dem Diktator Francisco Franco auf, beide wollten den Nachkommen in ihrem Sinn erziehen. Franco wollte mit ihm die Herrschaft seines Systems über den eigenen Tod hinaus zementieren. Wie sehr der Diktator sich in Juan Carlos irren sollte war nicht absehbar, als Franco 1975 starb.
Juan Carlos rief “eine neue Etappe in der Geschichte Spaniens” aus, als der Sarg mit Francos Gebeinen noch nicht mit einer Granitplatte abgedeckt war. Juan Carlos verzichtete auf Macht, wurde zum Motor des Wandels zu Versöhnung und Modernität. Er erlangte spätestens 1981 auch unter Nichtmonarchisten Autorität, indem er sich schützend vor die junge Demokratie stellte, als Altfranquisten versuchten, das Reich in die Vergangenheit zurückzuputschen. “Wäre Juan Carlos nicht gewesen, wäre die Demokratie zum Teufel gegangen, und einige von uns gleich mit”, hat Santiago Carrillo gesagt, damals Vorsitzender der Kommunistischen Partei.
Man muss wohl nicht mal ein Schwärmer wie Philippe Nourry sein, der französische Biograph des Königs, um sich zu fragen, warum er eigentlich nie den Friedensnobelpreis erhalten hat. Umso mehr hält er selbst den Karlspreis von Aachen in Ehren, der ihm 1982, im Jahr nach dem Putschversuch, verliehen wurde.