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Kloster Guadalupe |
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Das Weltkulturerbe Spaniens, Teil 19Der knapp 3.000 Seelen zählende Ort Guadalupe liegt in einem kleinen Flusstal in der Provinz Cáceres (Extremadura), einer der einsamsten Gegenden des Landes, wo es viele Hügel, Steineichen, Kampfstiere und schwarze Schweine gibt. Der arabische Name Guadalupe bedeutet soviel wie „versteckter Fluss“. Nicht nur das Äußere des Ortes mit seinen kunterbunt angehäuften weißen Häuschen und dem Gewirr der steilen Kopfsteinpflastergassen wird von einem gigantischen Kloster beherrscht, das in seinen wuchtigen Mauern einen sagenhaften Kirchenschatz hortet. Es beeinflusst seit seiner Entstehung auch das tägliche Leben seiner Bewohner. Jährlich kommen Tausende von Besuchern seinetwegen nach Guadalupe, denn das Kloster ist eine der wichtigsten Pilgerstätten Spaniens. Es hütet eine ganz besondere Madonna, die Schwarze Jungfrau.
Wie alles Menschenwerk, so hat auch Kloster Guadalupe Wachstum, Blütezeit und Niedergang erfahren. Aber es erlebte dank der UNESCO eine Wiederbelebung - zum Glück für die Menschheit, zu deren Kulturerbe das Kloster Guadalupe laut einem Beschluss vom 11. Dezember 1993 gehört.
Obwohl früheren Ursprungs, bringt man das Kloster Guadalupe stets mit zwei wichtigen historischen Ereignisse aus dem annus mirabilis 1492 in Verbindung, als die katholischen Könige in Granada die letzten Gebietsreste auf der spanischen Halbinsel von den Mauren zurückeroberten, und als Kolumbus in ihrem Auftrag in der Neuen Welt an Land ging. Es heißt, er habe vor seiner Reise im Kloster Guadalupe die berühmte Schwarze Madonna angefleht, ihn zu beschützen. Da sie ihn offenbar erhört hatte, benannte er zum Dank eine Inselgruppe, die er als erster Europäer betrat, Santa Maria de Guadalupe de Estremadura, und machte die Heilige Jungfrau von Guadalupe zum Symbol für die Christianisierung des größten Teils von Amerika und zur Schutzherrin Mexikos. Papst Johannes XXIII. pries sie als „Die Mutter beider Amerikas“ und Missionarin der Neuen Welt, und Papst Johannes Paul II. besuchte die Madonna in Guadalupe auf seiner ersten Auslandsreise. Er stellte sein Pontifikat unter den Schutz der Gottesmutter, weihte ihr Nord- und Südamerika und verfasste eigens für die Schwarze Madonna ein Weihgebet.
Dies ist ihre Geschichte: Die Ikone wurde 580 von Papst Gregor dem Großen dem Erzbischof Leander von Sevilla geschenkt. Es handelte sich dabei um eine damals schon sagenumwobene Mutter-und-Kind-Figur aus Zedernholz, die, wenn festlich gekleidet mit reich verzierten Tuniken aus Brokat, die typische dreieckige Form hat. 711 wurde sie vor den Mauren versteckt und ging mit den Wirren der Zeit verloren. Im 13. Jh. erschien einem einfachen Hirten aus Cáceres die Mutter Gottes in Person und wies ihn an, an einer bestimmten Stelle zu graben. Er alarmierte die Geistlichkeit, und an dem besagten Punkt stieß man auf die vor über 600 Jahren verschwundene Marienfigur mit intakten Dokumenten, die über den Hintergrund des Verschwindens Aufschluss gaben. Sie hatte in ihrem Versteck sechs Jahrhunderte unversehrt überdauert. Ein Wunder!
Sofort wurde an der Fundstelle ein bescheidener Altar errichtet, und die Wunder, die die Schwarze Madonna seitdem wirkt, nehmen kein Ende. Eins davon geschah in jüngerer Zeit, 1936 zu Beginn des spanischen Bürgerkrieges, indem es den Mönchen mit ihrer Hilfe gelang, die „marxistische Barbarei“ abzuwehren.
Dieser Altar war die Keimzelle des Klosters. Über ihn baute man zunächst eine Hütte und dann eine Kapelle. Sie wurde bald ersetzt durch eine würdige Kirche im Baustil der Zeit (Mudejar) mit einem dazu gehörendes Hospital und Schlafstätten für die vielen Pilger, die damals bereits nach Guadalupe kamen. Nachdem König Alfonso XI. im Jahr 1330 hier zu seinem Entsetzen ein halb verfallenes Gebäude vorgefunden hatte - die Schwarze Madonna hatte ihre Macht sowohl in die Dienste der Potentaten als auch in die der einfachen Leute gestellt - befahl er den Bau einer ordentlichen Kirche. Bald darauf kam der gläubige König wieder; denn unermüdlich hatte die Heilige Jungfrau wie eine Schutzmacht seine Kämpfe im Namen der Kirche unterstützt. Voller Erkenntlichkeit für seine gewonnenen Schlachten gegen die Mauren gründete er nahe der alten Kapelle ein Kloster und verlieh dem Dorf Sonderrechte. Seine Nachfolger führten das Werk fort. 1389 wurde das Kloster dem Orden des Hl. Hieronymus übergeben. Bis 1835 blieb das Kloster unter dessen Schutz, während es von den Hieronymiten zu dem Juwel ausgebaut wurde, das wir heute kennen.
1908 haben die Franziskaner-Mönche die Obhut übernommen. Sie betreiben heute eine gediegene Hotellerie und Gastronomie in einem Teil des Klosters.
In der Klosterkirche, vom Fuß des Altarbildes aus betrachtet, erscheint die 59 cm große Schwarze Madonna winzig. Aber über eine Hintertreppe geht es hinauf zur über und über mit Gemälden geschmückten Nische der Heiligen (camarín). Ein Knopfdruck, und die Figur im Altarbild dreht sich um die eigene Achse. Auf diese Weise kann man hier oben der 4 kg- Schnitzerei mit dem nur faustgroßen schwärzlichen Kopf von Angesicht zu Angesicht gegenüber treten. Sie ist in eine olivgrüne Tunika und einem ockerfarbenen Mantel gekleidet und hat eine weiße Haube auf. Auf ihrem Schoß sitzt eine 29 cm große Jesus-Figur, deren silberne rechte Hand in segnender Position ausgestreckt ist.
Zum Kloster selbst: Seit Beginn seiner Geschichte am Anfang des 14. Jh. veranschaulicht dieses Kloster vier Jahrhunderte religiöse spanische Architektur: Mudéjar, Gotik, Barock und Renaissance. Es steht auf einer Fläche von 22.000 Quadratmetern. Der größte Teil der Anlage entstand zwischen 1389 und 1460. Im 17. Jahrhundert wurde der Bau erweitert.
Die 1.170 qm große Klosterkirche im Gotik-Mudéjarstil hat drei Schiffe und einen reich geschmückten Hochaltar, der durch ein kostbares Eisengitter vom Rest getrennt ist. Einzigartig wie der Mudéjar-Tempel im Hof des Kreuzgangs de los Milagros sind zwei riesige Fensterrosen. Ihr Steingeflecht ist so dicht und kunstvoll verschnörkelt, dass kaum Platz bleibt für das Glas. Das Altarbild voller kunstvoller Skulpturen und Reliefarbeiten wurde 1618 eingeweiht. Beim Ornamentieren und Vergolden hat ein Sohn von El Greco, Jorge Manuel Theotocopulos, mitgewirkt. Auf der entgegengesetzten Seite liegt der Hochchor. Zu seinen beiden Seiten befinden sich die königlichen Mausoleen von Königin Maria von Aragonien und ihrem Sohn Enrique IV., Bruder und Vorgänger der Katholischen Königin Isabel. Ihre mumifizierten Körper ruhen hinter dem Retabel. Die beiden betenden Standbilder stammen von Giraldo de Merlo. Der Schrein, der als Kunst- und Geschichtsjuwel den Hochaltar ziert, diente, ehe er ihn dem Kloster schenkte, König Felipe II. als Schreibtisch.
Der Chor entstand im 16. Jahrhundert. Die Bestuhlung aus dem 18. Jh. ist aus Nussbaum. Zur Chorausstattung zählt ein besonders kunstvoll geschmiedetes eisernes Pult. Eine monumentale Walcker-Orgel steckt im barocken Gehäuse des 18. Jhs. Eine weitere kleinere Orgel wurde 1986 restauriert.
Drei Kapellen sind jeweils Santa Ana, Santa Paula und Santa Catalina gewidmet. Ein Sarkophag aus 1467, ein Bronzetaufbecken aus 1402 und wertvolle Bilder, darunter ein Gemälde aus dem 16. Jh. von Pablo de Céspedes, stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Weitere Statuen von Giraldo de Merlo erinnern an die Heiligen. In einem Silberschrein werden kostbare Kelche und andere geweihte Gegenstände aufbewahrt, darunter ein 1,50 m großer Stab aus purem Silber. Hinter der Apsis befindet sich eine Kapelle aus dem 17. Jh mit sieben Altären.
Drei Museen gehören zum Kloster. Im ersten, über und über mit Freskenmalerei dekorierten Saal am Klostereingang, dort, wo die Armen versorgt wurden, werden Kirchenbücher mit Miniaturmalereien aus fünf Jahrhunderten ausgestellt. Die Sammlung gehört zu den wichtigsten der Welt. Die oft metergroßen Manuskripte werden von farbenprächtigen Illustrationen und Schnörkelschrift begleitet. Auf jahrhundertealten Buchseiten leuchtet es goldfarben, rot und blau. Von den 90 Büchern lieh sich die Katholische Königin wiederholt Exemplare aus.
Im zweiten Museum werden Messgewänder und ähnliche Textilien ausgestellt. Dies ist das Stickereimuseum. Die erste Handarbeit stammt von einem Bruder Gonzalo, der 1425 starb. Das Museum wurde 1928 in Anwesenheit von König Alfonso XIII. eingeweiht, dem Großvater des heutigen spanischen Königs. Alle ausgestellten Stücke sind hier im Kloster entstanden.

Das dritte Museum ist den Schönen Künsten gewidmet. Zwischen originellen Krippenspielen hängen Gemälde von Goya, Juan de Flandes, Zurbarán, Egas Cueman und Miguel Angel.
Rings um einen der beiden großen Kreuzgänge, dem bereits erwähnten Kreuzgang der Wunder im Mudéjarstil, erinnert eine Reihe bildlicher Darstellungen an die Sage der Heiligen Jungfrau und daran, wie der Schäfer die verschollene Statue wiederfand, oder wie die Jungfrau immer wieder hilfreich in die Kämpfe der Christen gegen die Ungläubigen und Gottlosen eingegriffen hat. Er war früher der Kasernenhof der Mönche und ist 1.680 m2 groß. Die unteren Arkaden bestehen aus runden, die obere Galerie aus Spitzbögen. Im Zentrum des Patios steht ein kleiner Mudejar-Tempel aus dem Jahr 1405 mit einzigartigen arabischen Motiven von Juan de Sevilla. Das originelle Baukunstwerk erinnert an einen überdimensionalen Diamanten.
Der gotische Kreuzgang entstand zwischen 1519 und 1533. Er hat eine Fläche von 1000 m2. Die Arkaden haben drei Bogenreihen übereinander, wovon die mittlere am reichsten dekoriert ist. In der Mitte steht ein romantischer Brunnen. Früher war dies das Sanatorium des Klosters, heute befinden sich in diesem Bereich die Restauration und komfortable Gästezimmer.
In der Sakristei, die die „Königin der Sakristeien Spaniens“ genannt wird, dominiert die frühbarocke Dekoration und unter anderen auch acht großformatige Gemälde des größten Malers der Extremadura, Francisco de Zurbarán (1598-1664). Der Meister der Sevillaner Schule malte mit mystischer Hingabe Portraits von Mönchen und Allegorien, die die besonderen Tugenden der Hieronymiten hervorhoben. Zur Sakristei gehören die Ante-Sakristei und die Sankt Hieronymus Kapelle. Der Florentiner Bildhauer Pietro Torrigiani fertigte die bis ins kleinste Detail realistische Darstellung des Heiligen Hieronymus an. Im Zentrum der Kapelle hängt von der Kuppel das historische Fanal von Lepanto, das Don Juan von Österreich den Türken in der berühmten Schlacht abgenommen hat und dem Kloster von Felipe II. geschenkt wurde.
Der Reliquienschrein ist eine dem Heiligen Josef geweihte besonders prunkvolle Kapelle. Sie wurde Ende des 16. Jh. erbaut. Zahlreiche Reliquien in Form von Armen, Büsten und Gegenständen wie Schatullen usw. wurden dem Heiligen im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit dargebracht, als diese Form der Glaubensbezeugung große Mode war. Sechs Spiegel aus Bleikristall mit vergoldeten, üppig verzierten Bronzerahmen oder die kostbare, mit Emaille und Silber geschmückte Truhe, im 15. Jh. von einem Mönch des Hauses angefertigt, sind von unschätzbarem Wert. Das Lignum Crucis wurde von Enrique IV. gestiftet. Unter den vielen religiösen Dingen befindet sich auch die Garderobe der Heiligen Jungfrau von Guadalupe für besondere Anlässe. Eine dieser kostbaren Roben wurde von einer Tochter von Felipe II. bestickt. Eine andere, die als der reichstbestickte Marienmantel der Welt gilt, ist mit 243 Goldplättchen und Diamantspitzen geschmückt. Die restlichen Edel- steine verschwanden, nachdem die Ordensbrüder das Kloster verlassen hatten (1835).
Beeindruckend ist auch die schon genannte Heiligennische, eine Glanzleistung aus dem spanischen Barock. Den achteckigen Kuppelsaal dekorieren gleich neun Gemälde von Luca Giordano, die sämtlich von Carlos II. in Auftrag gegeben wurden. Die beeindruckenden Statuen der „Starken Frauen des Alten Testaments“ (Sara, Deborah, Rahel, Ruth, Abigail, Esther, Judith und Maria) wurden 1736 aufgestellt. Böhmische Kristallleuchter und Wertstücke dieser Art vervollständigen die Dekoration dieser Kapelle, die das Vorzimmer zum Thronraum der Heiligen Jungfrau ist. Darin prunkt über dessen Eingangstür das spanische Wappen. Dieses und die Wappen der Eroberer der Neuen Welt erinnern daran, dass die Heilige Mutter Spaniens und Amerikas in diesem Raum zu Hause ist. Er wurde übrigens erst 1953 angelegt.
Der Süd-Fassade des Klosters ist das Atrium vorgelagert, das sich auf den Marktplatz des Dorfes öffnet. Ein Auditorium und die Pförtnerei liegen ihm zur rechten und zur linken Seite. Aufgrund der bescheidenen Ausmaße des Dörfchens Guadalupe werden Reichtum und Macht, die diese Mauern und das, was dahinter ist, bedeuten, besonders spürbar - nachhaltig und auch ohne ein Devoter der Schwarzen Jungfrau zu sein.1943 besann man sich auf die geschichtliche Rolle des Klosters und erklärte es von Staats wegen zum spanischen Kunst- und Geschichts-Denkmal.

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