Dieses Jahr ist sehr früh Ostern. Es fällt seit dem Konzil von Nicäa auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond. Vom 16. bis zum 30. März feiert auch Spanien seine berühmte Semana Santa. Die Heilige Woche wird in vielen Gegenden mit prunkvollen und ergreifenden Prozessionen begangen. Jesus, Maria und das Kreuz verlassen ihre Einsiedeleien, Kapellen und Kirchen und prozessieren feierlich durch die Ortschaften, getragen von Bruderschaften, die ihre Embleme das ganze Jahr über hegen und pflegen. Mal muss ein neuer goldbestickter Mantel her, mal eine Reliquie ausgebessert werden. Schon Monate vor den Umzügen kann man die Vorbereitungen in den Dörfern und Städten des Landes hören. Ram-ram-ramtamtam tönt es monoton und dumpf aus abgelegenen Übungsräumen, gelegentlich von schrillen Fanfaren unterbrochen. Die Semana Santa feiert die Rettung der Menschheit durch Christus und den Beginn einer Neuen Allianz zwischen Gott und Mensch. Sie erinnert an Leiden, Tod und Auferstehung, bei den Umzügen dramatisch in Szene gesetzt.
Die ersten Prozessionen finden am Palmsonntag statt und feiern den Einzug in Jerusalem. Die Umzüge am darauffolgenden Montag, Dienstag und Mittwoch sind weniger spektakulär, dafür wird die letzte Mahlzeit, Ursprung des Abendmahls, am Jueves Santo intensiv gefeiert. Die Karfreitagsprozession ist der Höhepunkt der Karwoche und wird besonders inbrünstig begangen. Die Prozessionen dieser Nacht sind einfach schaurig-schön. Samstag ruht Jesus im Grab, und die Gläubigen feiern erst nachts die Messe der Vigilia Pascualina. Die abschließende Wiederauferstehung feiert man sonntags und in manchen Autonomien mit weiteren Prozessionen auch montags.
Während die Heilige Woche Besucher aus aller Welt nach Sevilla und Málaga zieht, sind es weitgehend unbekannte kleinere Orte, deren Osterfeiern von besonderem nationalem Interesse sind:
Das Misterio de la Pasió, Cervera (Lerida, Katalonien)
Die Passionsspiele von Cervera verstehen sich nicht als mehr oder weniger gut gespieltes frommes Theater. Sie haben eine Botschaft, vereinen Geschichte, Poesie, Kunst und Doktrin. Sie entstanden gegen Ende des 14. Jh. in der Santa Maria-Kirche. Aus dem Jahr 1481 kennt man alle Einzelheiten über die Kosten des Bühnenaufbaus, und aus einer Anweisung aus 1488 geht hervor, wie die Stadträte namentlich die Kleriker anwiesen, bei den Passionsspielen mitzuwirken. (Sie mussten natürlich auch die weiblichen Rollen übernehmen). Das Trenter Konzil verbot kurze Zeit später in den Kirchen alles Geschehen, das keinen liturgischen Charakter hatte. Also zog man mit den Spielen auf den Marktplatz. Nun machten auch die Bürger mit. Schon damals kamen zahlreiche Menschen aller Schichten nach Cervera, um dem Schauspiel beizuwohnen. Schließlich zog man damit in ein Theater um, bis der spanische Bürgerkrieg im vergangenen Jahrhundert allem, was religiösen Charakter hatte, ein Ende machte. 1940 nahm man die österliche Tradition mit einer Aktualisierung der mittelalterlichen Szenerie wieder auf. Die Texte sind jedoch die alten geblieben.
Die Fiestas de la Magdalena, Castellon
Diese Fiestas feiern nicht ihre Namensgeberin, sondern erinnern an die Ursprünge der Stadtgründung. Im Jahr 1251 zogen die Bewohner vom Magdalena-Hügel hinab in die fruchtbarere Küstenebene, wo sich die Stadt heute erstreckt. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Prozession zur Magdalena-Einsiedelei. Der Termin für diesen Tag ist beweglich und fällt auf den 3. Samstag der vorösterlichen Fastenzeit. Neun Tage dauern die Fiestas um die Romeria herum. Mythologie, Legende und Tradition kennzeichneten einst das bedeutendste Kirchenfest in Castellon. Hinzu gesellten sich im Laufe der Zeit volkstümliche Vergnügungen wie Konzerte, Feuerwerk und Animationen mit nationalen und internationalen Tanzgruppen. Tradition verband sich mit Amüsement und wurde zum großen Volksfest.
Las Fallas, Alzira (Valencia)
vom 15.-19.03.
Diese Feiern sind dem Heiligen Josef gewidmet und haben nicht direkt mit Ostern zu tun. Für das ausgelassene Volksfest baut man kunstvolle Figuren aus Pappmaché oder neuerdings aus Styropor auf, die bekannte Personen aus Kultur und Politik darstellen. Meist satirischen Charakters, beziehen sie sich auf aktuelle Themen. Drei Stadtteile, der Neue Weg, der Markt und der Hauptplatz, wetteifern um den ersten Preis. Voriges Jahr gab die Stadt 300.000 Euro für eine Fiesta aus, auf der schon die Kinder der Stadt ihre eigenen Fallas erst vorstellen und dann verbrennen. Einige dieser allegorischen Gebilde sind bis zu 30 m hoch. Handwerker, Maler und Bildhauer und Organisatoren beschäftigen sich monatelang vorher mit der Herstellung der Kunstwerke. Am 15. März werden sie nachts „gepflanzt“ (das ist la plantà, spanisch plantada, die Pflanzung). Aufgrund ihrer Größe braucht man dabei oft hohe Kräne. Die Klimax ist der Feuertod, heißt auf valenzianisch „cremà“, spanisch quema, also Verbrennung, und beschließt am 19. das beeindruckende Fest.
Rallye historischer Autos zu Sitges (Barcelona)
Eine weitere weltliche Veranstaltung von nationalem Tourismusinteresse ist diese internationale Rally.
Sie beginnt dieses Jahr am 28. und endet am 31. März. Seit 1959 wird sie jedes Jahr zwischen Barcelona und Sitges gefahren. Daran beteiligen sich mehr als 80 Autos. Es gibt zwei Kategorien: „Epoche“ (Bj. vor 1921) und „Vintage“ (Bj. vor 1925). Auch die Bekleidung der Fahrer, die sich an das Alter der Vehikel anpassen muss, wird bewertet. Das Rennen selbst findet am Sonntagvormittag statt und beginnt in der Avenida Maria Cristina in Barcelona am Fuß des Montjuic, Ziel ist der Paseo Maritimo in Sitges. Die Rahmenveranstaltungen des gesamten Wochenendes organisieren Automobilclubs und die Städte Barcelona und Sitges.