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19:27 Freitag 25. Juli 2008

Rotatorenmanschettenrisse

Die oft nicht erkannten Defekte verursachen verschiedenste Beschwerdebilder und brauchen differenzierte Therapiekonzepte

Was ist es?
Der Begriff “Rotatorenmanschette” umfasst vier Schultermuskeln. Vorne den Subscapularismuskel, oben den Supraspinatusmuskel (oberer Schultergrätenmuskel), hinten oben den Infraspinatus und hinten den Teres minor Muskel. Mit Abstand am häufigsten findet man Risse im Supraspinatus, dem folgen Infraspinatus- und Subscapularisrisse. Der Teres minor ist fast nie betroffen. Neben kompletten Rissen findet man selten Risse in der Sehne und häufiger Teilrisse an der Unter- oder Oberfläche einer Sehne. Liegt der Teilriss beispielsweise an der Unterfläche des Supraspinatusmuskels, d.h. gelenkseitig, dann bezeichnet man das als PASTA Läsion (engl.: “partial articular supraspintus tendon avulsion”).

Was merkt man?
Patienten mit Rotatorenmanschettenrissen klagen über Schmerzen in der Schulter und/oder im Oberarm. Besonders quälend sind die regelmäßig auftretenden Nachtschmerzen. Besteht der Riss längere Zeit oder ist der Riss recht groß, so kann er mit einer Schulterteilsteife einhergehen  sowie Kraftminderung für bestimmte Bewegungen hervorrufen. Wie entsteht es ? Die Masse der Risse in der genannten Schultermuskulatur kommt auf der Basis von Verschleiss zustande. Altersbedingt, durch eine chronische Enge im Raum unter dem Schulterdach oder durch eine wahrscheinlich genetisch bedingte mindere Gewebequalität der Sehnen und Muskeln kommt es zum langsamen Auffasern der Sehnen und Muskeln und anschließend zu einer immer größer werdenden Rissbildung. Oft ist die Diagnose beim älteren oder sehr aktiven Patienten eine Zufallsdiagnose bei der sonografischen Abklärung von unklaren Schulterbeschwerden ohne eigentliche Verletzung.

Wie behandelt man?
Viele Risse lassen sich durch konservative Maßnahmen - ohne OP - in den Griff bekommen. Dazu sind Medikamente, Spritzen, physikalische Therapie und Physiotherapie sehr hilfreich.  Wichtig ist hierbei die Kompensation des Funktionsverlustes durch die anderen Muskeln.
Bei einer Operation gilt: je jünger der Patient (20.-50. Lebensjahr), je kleiner der Riss (etwa unter 6 Quadratzentimeter) und je besser die zu erwartende Gewebequalität, desto eher wird man zu einer  operativen Naht neigen. 

Das Verfahren zum Verschluss des Muskelrisses ist von Größe, Lage, Gewebequalität, Ansprüchen des Patienten, sportlicher/beruflicher Belastung und vielen weiteren Faktoren abhängig.
Ist der Riss klein (bis zu der Größe von einem Euro), wird man zu einer endoskopischen oder offenen Naht neigen. Ein modernes Verfahren ist der sog. “Mini-Open Repair” bei dem durch einen minimalen Zugang - zum Teil unter endoskopischer Assistenz - der Riss genäht wird.
Bei größeren Rissen (ca. 4-5cm)  muss aufgrund von geeigneter Diagnostik und Erfahrung entschieden werden, ob eine Naht möglich ist oder ein Muskelersatzverfahren zur Anwendung kommt.
Ist der Riss besonders groß und/oder die Gewebequalität zu schlecht für eine Naht, so dass sich die Enden nicht aneinander bringen lassen oder die Wahrscheinlichkeit des Aufgehens der Nähte zu groß ist, bestehen 2 Möglichkeiten:
1. Die endoskopische Glättung des Risses und seiner Ränder und die damit einhergehende Befreiung des Raumes unter dem Schulterdach, durch den die Muskeln gleiten. Dieses Verfahren stellt keine Kraft wiederher, aber es führt oft zu einer erheblichen Schmerzlinderung und dazu, das wesentlich aufwendigere Muskeldeckungsverfahren nicht notwendig werden.

2. Ein sehr großer Riss kann gedeckt werden, indem man Muskeln aus der Nachbarschaft verwendet und diese in den Defekt reinschwenkt. Infrage kommen zum einen Rückenmuskeln (Latissimus dorsi) oder zum anderen Brustmuskeln (Pectoralis Muskel). Diese OP-Verfahren führen zu einer Schmerzbefreiung und Kraftverbesserung. Sie sind aber für den Patienten aufwendig und benötigen mehrere Monate Rehabilitation.
Generell lässt sich an dieser Stelle hinsichtlich der Operation von Rotatorenmanschettenrissen feststellen, dass sich die meisten durch eine Glättung bzw. Naht (endoskopisch, offen) gut behandeln lassen.
Der Krankenhausaufenthalt beträgt ca. 1-3 Tage. Es folgen  eine 6 wöchige Ruhigstellung in einem Spezialverband und anschließend  eine ebenfalls  6 wöchige Rehabilitation.
Grundsätzlich gilt: richtige Diagnose, geeigneter Patient, geeignetes Verfahren und Aufklärung  über eine lange und konsequente Rehabilitation.

Dr. W. Schmitt
Facharzt für Orthopädie,
orthopädische Chirurgie
Avda. Duque de Ahumada, 7-2 a/b
Marbella

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