Der Countdown hat begonnen. Nur noch zwei Monate, bis die Expo in Zaragoza am 14. Juni ihre Pforten öffnet. Die Arbeiten sind in vollem Gange, 4500 sind mit den Bauwerken beschäftigt, 300 arbeiten in den Büros. Zudem zählt die Expo mehr als 3300 Freiwillige, die mit „la Muestra“ zusammenarbeiten und mehr als 33 400, die mit dem Projekt sympathisieren. „Wasser und nachhaltige Entwicklung“ – mit diesem Leitmotiv wollen die Veranstalter das Bewusstsein für Umwelt und Klima schärfen. Sechs Millionen Besucher erwartet die Hauptstadt des Ebro in den drei Monaten der Weltausstellung.
Von Simone Sälzer
Eis, Dampf, Wolken, Tropfen, Teiche oder Flüsse – in Zaragoza dreht sich schon jetzt alles um das kühle Nass. Insgesamt werden 100 Länder teilnehmen und sich mit ihren Pavillons dem Thema Wasser widmen. Deutschland, Frankreich und Japan sind auf dem 25 Hektar großen Gelände im vom Ebro geformten „meandro de Ranillas“ genauso präsent wie der Sudan oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Gelände ist 1,5 Kilometer von der Altstadt und 700 Meter vom Bahnhof Zaragoza-Delicias entfernt.
Die Länderpavillons werden nach ökogeographischen Gesichtspunkten eingeteilt, das heißt die Lage spielt ebenso eine Rolle wie die geologischen und klimatischen Verhältnisse: „Inseln und Küsten“, „Oasen“, „Temperierte Wälder“, „Tropische Regenwälder“, „Berge“, „Mittelmeerraum“ und „Graslandschaften, Steppen und Savannen“.
Die Expo 2008 bildet eine thematische Brücke zwischen den Weltausstellungen in Aichi und Shanghai. „Die Weisheit der Natur“ war das Thema der vergangenen Expo in Japan, während China 2010 mit dem Motto „Eine bessere Stadt, ein besseres Leben“ wirbt.
Bei der Expo 2008 werden die Besucher nicht nur über Wasser diskutieren, sondern erleben und spüren das Nass in seinen verschiedensten Formen. In dem 76 Meter hohen Wasser-Turm hören sie zu Boden fallende Tropfen, das mächtige Rauschen von Wasserfällen oder tauchen in eine künstliche Wolke ein. Das Werk des Architekten Enrique de Teresa ist vollständig aus Glas und gleicht einem Wassertropfen, der vom Himmel fällt. Oben ist eine große Terrasse, die als Aussichtspunkt dient.
Das Fluss-Aquarium mit der Ausstellung „Wasserlandschaften“ lädt den Besucher in eine Welt mit mehr als 300 Tierarten in 50 Wasserbecken ein. Er macht zudem eine Tour durch die fünf bedeutendsten Flüsse der Erde – Nil, Amazonas, Mekong, Darling und Ebro.
Einzigartig in Spanien: der 260 Meter lange Brücken-Pavillon über dem Ebro. Er ist das Werk der irakischen Architektin Zaha Hadid, der ersten Frau, die den Pritzker Architektur Preis gewonnen hat. Die Brücke gleicht einer Gladiole, die sich öffnet und schließt – sie ist die einzige in Spanien, die einen Innenraum besitzt (drei Ausstellungsräume).
Der Aragon Pavillon mit dem Thema „Aragon, Mannigfaltigkeit der Landschaften“ spiegelt die Bedeutung von Wasser in den fünf verschiedenen Kulturen wider, die in den vergangenen 2000 Jahren Spuren hinterlassen haben. Die Architekten Daniel Olano und Alberto Mendo nahmen in ihrer Konzeption die für die Region typischen Korbflechtarbeiten mit auf. Das Gebäude steht auf drei sieben Meter hohen Pfeilern, oben ist eine Dachterrasse. Der spanischen Pavillon, entworfen von Patxi Mangado, produziert mit Hilfe seiner unzähligen Säulen ein Mikroklima, das Dach besteht aus Solarzellen und ein Speicher sammelt Regenwasser.
Die Besucher erleben auf sechs Themenplätzen selbst mit, welche Bedeutung Wasser für sie hat: „Durst“ ist ein „Salz-Gebäude”, das die Sonnenstrahlen reflektiert und wo man erfährt, wie man Trinkwasser vom Himmel und der Erde gewinnen kann. „Wasser und Stadt“ lädt den Besucher in einem transparenten, bunten Pavillon zu einer Reise durch verschiedene urbane Strukturen ein, die durch Wasser verknüpft sind. „Geteiltes Wasser“ analysiert die Verflechtung zwischen Städten und Flüssen, Kanälen, Seen oder dem Meer. „Wasser extrem“ zeigt Umweltkatastrophen: Der Besucher erlebt Tsunamis, Hurrikans und heftige Stürme – und erfährt, wie man sie verhindern kann. Wie jeder billige, ökologische Energie gewinnen, umwandeln und speichern kann, vermittelt „Oikos: Wasser und Energie“. Der Themenplatz „Wasser-Inspirationen“ zeigt eine der größten Shows der Weltausstellung – „Hombre Vertiente“ von Pichón Baldinu stellt die Beziehung zwischen Mensch und Wasser dar. Mehr als 3400 Aufführungen werden in den drei Monaten inszeniert: Theater, Kabarett, Konzerte, Akrobatik oder Flamenco. Zwei weitere große Shows sind „Eisberg“ (FOCUS) und „das Erwachen der Schlange“ (Cirque du Soleil).
25 Künstler werden im Freien Werke in Einklang mit der Natur schaffen. Als Zentrum für Wissen, Debatten und Erfahrungen wurde die Wasser-Plattform konzipiert – „la Tribuna del Agua“ wird auch über eine Carta de Zaragoza abstimmen: Mit ihrer Verabschiedung wollen sie die Grundlagen und Maßstäbe für eine vernünftige, vertretbare Wasserpolitik setzen. Wissenschaftler, Unternehmer, Akademiker und Studenten aus aller Welt nehmen daran teil. Im Bürger-Pavillon werden mehr als 30 Organisationen ihre Sichtweisen unter anderem mit Ausstellungen, Darbietungen oder Diskussionen erläutern.
Alles, was auf der Expo gebaut wird, soll nach Ende der Ausstellung weitere Verwendung finden – ein Teil der Gebäude wird zu Büros, die anderen zu verschiedenen Zwecken genutzt. Bei der Konzeption der Weltausstellung wurde sehr auf umweltfreundliche Aspekte geachtet, so sind alle Produkte recyclebar, Tüten genauso wie Geschirr. Energie wird vorwiegend aus Sonne und Wind gewonnen. Die Stadt will sich dieser weltweiten Herausforderung stellen – sie selbst geht als bestes Beispiel voran und führt in Spanien bei Spar- und Reinigungsmaßnahmen die Liste an.
Wer sich vorab ein Bild von der Weltausstellung machen will, kann dies in einem eigens zu diesem Zweck eingerichteten Besucherzentrum tun, das in der Nähe des Geländes ist. Es fährt auch ein Bus, von wo man die Arbeiten und einen Teil des Geländes sehen kann.
Das Maskottchen der Expo ist Fluvi, eine blaue Wasserkreatur, die Sergi López, Professor an der Kunstakademie in Barcelona, schuf. Sein Name ist die Abkürzung von „flumen vitae“, Fluss des Lebens. Fluvi ist von POSIS (positive Wasserfiguren) und NEGAS (negative Wasserfiguren) umgeben. Das Maskottchen ist bereits Teil einer Zeichentrick-Serie.
Die Expo muss ein Sprachrohr sein, das die Probleme bekannt macht.
Interview mit Roque Gistau, Präsident der Expo

aktuelle: Denken Sie, dass die Expo die Menschen verändert, die Rohstoffe wie Wasser, Luft oder Wald verschwenden?
R.G.: „Man muss zusammen arbeiten, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Rohstoffe bald zu Ende gehen – und dass man sie auf andere Weise viel effizienter nutzen kann.“
Was bedeutet Wasser für Sie?
„Wasser bedeutet Leben, Fortschritt und Nachhaltigkeit.“
Was ist die Botschaft der Expo?
„Wir müssen den gewohnten Umgang mit den Rohstoffen verändern. Der Zugang zu den Rohstoffen muss universal sein: Alle Bürger haben das gleiche Recht.“
Wie wird das Thema Wasser behandelt? Was sind die wichtigsten Aspekte?
„Die Expo will mit Plastiken und Pavillons INFORMIEREN, mittels ‚La tribuna del Agua’ - Plattform für Diskussionen, Konferenzen, Foren und Prognosen, deren Ergebnisse am Ende der Expo ausgearbeitet werden - BILDEN. Die Expo will aber auch mit Freizeitangeboten, Vorführungen und touristischen Inhalten über Zaragoza sowie Aragón UNTERHALTEN.“
Wie ist ein halbes Jahr vor der Expo die Kritik in der Öffentlichkeit?
„Seit der Kandidatur sind die Aragoneser sehr begeistert. Auch die Resonanz der übrigen Spanier und Experten ist sehr positiv. Hoffen wir, die Erwartungen erfüllen zu können.“
Wie vereint die Expo die Länder der Welt?
„Wir haben allen Ländern die Möglichkeit gegeben, sich zu präsentieren und über ihre Probleme, Lösungen, Prognosen und Technologien zu informieren. Auch die weniger entwickelten stellen ihre Mängel, Notwendigkeiten und Lösungen vor. Für diese organisiert die spanische Regierung durch die Agencia Española de Cooperación und dem Budget der Organisationsfirma eine finanzielle Unterstützung, um ihre Anwesenheit zu ermöglichen.“
Welche Maßnahmen müssen im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Wassers in Spanien ergriffen werden?
„Man muss das Wasser, das von den Bürgern genutzt wird, von dem unterscheiden, das der Produktion, Bewässerung oder Industrie dient. In allen Fällen muss man das Prinzip der Kostennutzung anwenden und die Qualität des Wassers zusichern.“
Wie kann man das Problem der weltweiten Wasserverschwendung lösen?
„Wir müssen geeignete Finanzierungsmöglichkeiten und ein effizienteres Vorgehen entwickeln.“
Wie sieht das Konzept der Regierung aus?
„Die beste Lesart wäre ein effizienteres Verfahren, das verfolgt, was die beste Leistung mit geringem Verbrauch und geringen Kosten ist.“
Alle europäischen Staatschefs diskutieren den Schutz des Klimas und der Natur. Glauben Sie, dass die Expo die Leute wachrütteln kann, mehr an die Natur zu denken?
„Die ganze Welt sorgt sich um die Nachhaltigkeit, aber es gibt wenige effiziente Mittel, die zum Ziel führen. Wir müssen drastischere Maßnahmen gegen die Emissionen des Treibhauseffektes und den Verbrauch der fossilen Rohstoffe ergreifen. Die Expo muss ein Sprachrohr sein, das die Probleme bekannt macht, vor allem die Lösungen. Eine Kanzel, die zeigt, welche anderen Lebensweisen möglich sind.“
Welche Fragen hatten Sie zu Beginn der Vorbereitungen? Welche sind beantwortet, welche nicht? Und welche hoffen Sie am Ende der Expo beantworten zu können?
„Ich bin Präsident der Sociedad Gestora, aber die Ziele zeigen sich in der Kandidatur und durch das Motto. Wir haben die Expo strukturiert, klar die Ziele und die Mission unserer Unternehmung formuliert. Am Ende beurteilen die anwesenden und fehlenden Besucher – durch die Medien – und der Nutzen der Rohstoffe, ob wir unsere Ziele erreicht haben. Die Zeit wird es zeigen.“