Ceuta überrascht und verzaubert
Spanien in Afrika, da denkt man eher an Wüste als an herrliche Wanderwege auf sanften Hügeln. Dichter Pinienwald, saftige Waldböden, interessante Pflanzen: eine Wanderung auf den Spuren alter Kulturen bietet erholsamen Naturtourismus. Ceuta ist ein kleines Stück vom Paradies, eine besondere Perle zwischen zwei Meeren und zwei Kontinenten.
Text: Beatriz Hohler - Fotos: Roland Beysel
Warum denn in die Ferne schweifen, wenn Ceuta liegt so nah!
Wie so oft, scheinen die Schätze „vor der eigenen Haustüre“ am weitesten entfernt. Die Idee, einmal Ceuta zu besichtigen, kam uns nicht etwa in Chiclana, nur circa 1 Stunde von Algeciras entfernt, und weitere 30 min. Überfahrt nach Ceuta, sondern in Madrid auf der Reisemesse FITUR. Die Verführung lockte in Gestalt des Jesus Gordillo Blanco vom örtlichen Wanderverein AVISCE. Er präsentierte uns die „reifen Früchte“ von Ceuta so schmackhaft, dass wir nicht umhin konnten, einmal davon zu kosten.
Die Überraschung war groß: Ceuta strahlt in saftigem Grün, als wäre man in Galizien oder im Bayerischen Wald, nur dass die Bäume halt Pinien sind, und das in Afrika! Zwei Berge, Monte Hacho und García Aldave umrahmen malerisch die Stadt. Kaum ist man auf einer Anhöhe, hat man fantastische Ausblicke einerseits auf die Stadt, andererseits auf eine Bergkette in Marokko, ein Panorama, als wäre man in Österreich oder der Schweiz. Steigt man etwas höher und sieht das strahlend blaue Meer daneben, wirkt es eher wie eine Szenerie in Californien. Kein Wunder, dass Ceuta sich als Wanderparadies anpreist.
Avisce hat eine Wanderroute ausgearbeitet, auf der man in ca. zwei Stunden zehn verschiedene Türme oder Wehranlagen besichtigen kann (la Ruta de las Fortificaciones neomedievales). Ceuta, an der Einfahrt zum Mittelmeer gelegen, galt schon in der Antike als ein strategisch wichtiger Punkt. Daher findet man noch heute zahlreiche Wehranlagen und Stadtbefestigungen. Laut einer Legende war es Herkules selbst, der die einst verbundene Bergkette zwischen Gibraltar und Ceuta auseinanderriss, als er auf der Suche nach den Ochsen des Geryon war, so dass sich das bis dahin eingedämmte Meer zwischen die beiden Zonen ergoss: „Ein Berg schiebt sich hier vor gegen einen anderen, jenseits in Hispanien. Ersterer wir Abyla (Ceuta), letzterer Calpe (Gibraltar) genannt, und beide zusammen sind die Säulen des Herkules“ (Pomponius Mela 1, vorchristliches Jahrhundert). Als Erinnerung daran bewachen heute zwei große Herkulessäulen die Hafeneinfahrt von Ceuta.
Das Routennetz für Wanderer umfasst in Ceuta sowohl urbane als auch ländliche Wanderwege, über die man sich praktisch mit dem gesamten Stadtgebiet vertraut machen kann: zwei Rundwege, die auf der Plaza de Africa im Stadtzentrum zusammenlaufen, sowie verschiedene lokale Wege. Ein mildes Klima macht Ceuta das ganze Jahr über zu einem wahren Wanderparadies. Besonders beliebt ist der Aussichtspunkt Mirador San Antonio, eine Einsiedlerkapelle, zu der jährlich am 13. Juni eine Wallfahrt abgehalten wird. Von hier aus hat man einen herrlichen Ausblick auf zwei Meere und zwei Kontinente. Tarifa und Gibraltar scheinen zum Greifen nahe. Die Waldwege sind überreichlich mit Farnen und Moos überwuchert, zahlreiche Pflanzen setzen hier und da schöne Farbtupfer in den Grüngürtel.
Beim Aussichtspunkt Mirador de Isabel II genießt man einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und ihr marokkanisches Hinterland. Auch zahlreiche Wandervögel oder Wale kann man mit etwas Glück beobachten. An diesem Aussichtspunkt kann man sich auch gemütlich in einem Restaurant mit Teestube niederlassen und Souvenirs erwerben.

Spanische Wanderer erobern Ceuta
Wir waren vom ersten Moment an von Ceuta begeistert und haben sogleich unseren Aufenthalt um einen Tag verlängert, um bei einem Wanderspektakel teilnehmen zu können. Übernachtet haben wir im Parador Hotel la Muralla, das optimal direkt gegenüber der Kathedrale von Ceuta liegt, am Plaza de Africa, und wunderbaren Service bietet. Von hier aus ist man sofort im Stadtzentrum, oder am Strand, und gleich an der Muralla. Diese königlichen Befestigungsmauern sind vor allem nachts eine wunderbare Kulisse, und bieten im Sommer den idealen Rahmen für die vielfältigsten Veranstaltungen.
AVISCE hat gemeinsam mit der Agrupación Unificada de la Guardia Civil (AUGC) eine Tour auf der Ruta de las Fortificaciones neomedievales ausgearbeitet, und mit befreundeten Wanderclubs aus dem spanischen Festland erobert. Dabei ist es gelungen, 3 Städte und Wandervereine zu verbrüdern. Über 450 Wanderer aus Menjibar und Alhaurin de la Torre wurden zunächst im Rathaus von Ceuta empfangen und machten sich dann auf den ca. 6 km langen Weg zum Fortin de Aranguren, mit dem vorrangigem Ziel, einen herrlichen Tag auf den Bergen von Ceuta zu verbringen. Die Asociación Senderista „los Rompesuelas“ aus Alhaurín (Málaga) hat innerhalb von 18 Monaten diese Route bereits zum 5. mal abgelaufen, ein Zeichen dafür, dass sie Ceuta zum Wandern sehr schätzen und hier ein Paradies vorgefunden haben, das man sich gar nicht vorstellen konnte. Die Asociación de Sendirismo „La Tortuga“ aus Menjibar brachte als Dank 100 junge Pinien mit, um sie zu pflanzen und auf diese Weise in Ceuta ihre Spuren zu hinterlassen. Ein Grund mehr, immer wieder hierher zurückzukehren, um diese Pflanzen wachsen zu sehen. Alle Teilnehmer wurden am Ende mit einer Paella sowie Kuchen und Getränken verköstigt. Avisce hatte unter Leitung von Juan Redondo und Jesus Gordillo alles bestens organisiert und den Freunden die Wanderwege von Ceuta sehr schmackhaft präsentiert. Die beiden sind allerdings nicht nur beste Führer für Wanderungen, sondern haben uns auch die schönsten Ecken der Stadt gezeigt sowie erste Eindrücke der Gastronomie von Ceuta vermittelt
Ceuta ist ein wahrer Genuss
Frischer Fisch in allen Variationen gehört zu den Spezialitäten der Stadt, die man in allen Bars bekommt, fangfrisch und besonders köstlich zubereitet in der Bar „pescaito frito“. Die Auswahl ist reichlich: ob Pulpo a la Gallega, Thunfische, Gold- und Zahnbrassen, Kalamare, Wolfbarsche und viele andere Arten, auf Ceuta wird europäischer gewürzt als in vielen spanischen Orten. Besonders lecker fanden wir Conchas finas, Muscheln in ihrer eigenen Sauce, fein aromatisiert, im Restaurant Meson el Pacho. Kein Wunder, liegt doch Ceuta genau zwischen Mittelmeer und Atlantik. Hier findet ein man in der Europäischen Union einmaliges marines Umweltvermächtnis, das eine außergewöhnlich artenreiche Unterwasserwelt aufweist. Dazu zählen beispielsweise rote Edelkorallen oder große Lederschildkröten. Angler und Taucher finden hier ein wahres Eldorado.
Schmelztiegel der Kulturen
In Ceuta treffen vier verschiedene Religionen aufeinander, die alle friedlich und tolerant nebeneinander her existieren. Christen und Muslime, Juden und Hinduisten respektieren sich gegenseitig ohne jegliche Probleme. Wenn die Stadt z.B. mitten im Sommer eine an Weihnachten erinnernde Festbeleuchtung aufweist, dann feiert sicherlich eine der Religionsgemeinschaften eines ihrer großen Feste.
In Ceuta findet jeder Freunde
Herzlich und freundlich, so sind uns alle Menschen in Ceuta begegnet und haben uns empfangen, als wären wir bereits seit Jahren beste Freunde. Jeder ist hier besonders stolz auf seine Stadt und schwärmt von den guten Lebensbedingungen. Allein die Tatsache, dass wir einen Artikel über Ceuta in “das aktuelle spanienmagazin” schreiben, hat dazu geführt, dass wir im Radio und Fernsehen live interviewt wurden, und auch die beiden Zeitungen darüber berichtet haben. Alle hoffen, dass sich möglichst viele Deutsche an der Costa del Sol oder der Costa Luz für diese autonome Stadt interessieren und verführen lassen, denn Ceuta hat endlos viel an Sehenswürdigkeiten, Museen, Gastronomie oder Nachtleben und Aktivitäten zu bieten, über die wir in einem weiteren Teil ausführlicher berichten.
Anreise:
Von der Costa del Sol aus ist Ceuta besonders einfach zu erreichen: ein Hubschrauberdienst von Heli sureste fliegt linienmäßig täglich mehrmals nach Ceuta und zurück. www.helisureste.com, Tel 956- 50 76 71) Von Algeciras aus fahren täglich Schnellfähren nach Ceuta.
Von Chiclana aus ist man bei flotter Fahrweise in ca. 1 Stunde in Algeciras. Die Beschilderung zur Fähre nach Ceuta ist vorbildlich, man gelangt entlang des Containerhafens direkt in die Fahrzeugabfertigung und kann das gewünschte Schiff gar nicht verfehlen. Vorausgesetzt, man hat das Ticket bereits vorab besorgt, was durchaus empfehlenswert ist. Ansonsten ist links neben der direkten Autozufahrt „con billete“ ein großes Gebäude „venta de billetes“. Reichlich Zeit sollte man dafür einplanen, denn Ceuta ist nicht nur bei Tagestouristen beliebt, sondern wird auch von den einheimischen Residenten häufig frequentiert, so dass sich an den Schaltern lange Schlangen bilden. Für uns war bereits ein Ticket für den Buquebus von Balearia reserviert, und selbst die einfache Abholung hat über 30 min. gedauert. Auch bei der Rückfahrt im Hafen von Ceuta ist alles bestens beschildert, je nach Fährunternehmen.
Informationen:
Servicios Turisticos de Ceuta, S.U.L , Tel: 856- 200 560
www.ceuta.es, mail: turismo@ceuta.es
AVISCE: www.avisce.es.vg, mail: avisce2005@hotmail.com
Tel: 0034/ 655 45 81 85
Abfahrtszeiten und Preisinformationen über Fähren:
Balaria: www.balearia.com, Tel: 856- 20 51 90
Buquebus: www.buquebus.com, Tel: 956- 52 13 34
Transmediterranea: www.transmediterranea.es, Tel: 956- 52 13 34
Euroferrys: www.euroferrys.com, Tel: 956- 50 70 70
Parador Hotel La Muralla: www.parador.es, Tel: 956- 514 940